Wissenspolitik

Wer hier und jetzt Zukunft gestalten will und Orientierung dafür sucht, kommt nicht umhin, sich mit neuen Leitbildern zu befassen. Neue, zukunftsträchtige Leitbilder für unsere Gesellschaft lassen sich unter Stichworte fassen wie: "Auflösung der überkommenen Industriegesellschaft", "Übergang zur Wissensgesellschaft" oder "Kulturkreative Wertorientierungen".

Die gesellschaftliche Produktion von Wissen und seine Nutzung nach den Spielregeln der Wissensgesellschaft stellen heute die Weichen für morgen.

Wissenspolitik zielt darauf, den Umgang mit Wissen als politische Aufgabe anzunehmen und zu gestalten. Aufgrund vielfältiger Erfahrungen im gesellschaftlichen Umgang mit Wissen schlägt das Zukunfts-Zentrum Barsinghausen vor - und es ist damit keineswegs allein - Wissenspolitik als neues, zukunftsgerichtetes Politikfeld zu etablieren. Vor diesem Hintergrund hat das Zukunfts-Zentrum Barsinghausen im Sommer 2005 ein Wissenspolitisches Konzept publiziert. Es trägt die Bezeichnung "Wissenspolitische Agenda 2005". Die vorliegende Sub-Website stellt dieses Konzept vor und ergänzt es um erläuternde Texte. Sie hat folgende Sub-Sub-Websites

  • Leitbild und Maximen
    (Skizziert die wissenspolitische Orientierung und die sich daraus ergebenden Handlungsanregungen)

  • Manifest und Denkschrift
    (Gibt das wissenspolitische Manifest des ZZB und die sein Fundament bildende Denkschrift "Wissenspolitik - die Wissensgesellschaft aufgeklärt und human gestalten" wieder)

  • Handlungsprogramm
    (Dokumentiert das Handlungsprogramm "Evolutionäres Wissensmanagement" des Zukunfts-Zentrums Barsinghausen)

Zum wissenspolitirischen Anliegen des ZZB

Anliegen
Vorgeschichte
Potenzielle wissenspolitische Wirkungsfelder
Die "Wissenspolitische Agenda 2005"
Zielsetzung des ZZB

Anliegen

Unsere Gesellschaft durchläuft eine Metamorphose. Sie wandelt sich von der Industrie- zur Wissensgesellschaft. Auch, wenn die Begriffe "Industriegesellschaft" und "Wissensgesellschaft" sehr plakativ sind, lässt sich mit ihrer Hilfe die Richtung eines tiefgreifenden, unser gesamtes gesellschaftliches Sein verändernden, Entwicklungsprozesses - zumindest andeutungsweise - beschreiben.

Gesellschaftliche Strukturveränderungen, wie wir sie derzeit erleben, fordern uns auf allen Ebenen unseres Seins zur Neuorientierung unseres Handelns heraus.

In der Wissensgesellschaft wird nicht mehr Industriearbeit, sondern Wissensarbeit, dominieren. Wissenspolitik soll den Umgang mit Wissen zukunftsfähig, d.h. insbesondere nach den sich heute abzeichnenden Leitbildern der Wissensgesellschaft, gestalten.

Der Begriff "Wissenspolitik" und das von ihm bezeichnete Handlungsfeld sind neu und gehören noch nicht zum politischen Tagesgeschäft. Wissenspolitik lässt sich, wie jede Politik, in den Kategorien von Programm und Kampf um Machtanteile beschreiben. Sie zielt auf einen zukunftsfähigen Umgang mit Wissen und stützt sich dabei ihrerseits selbst auf Erkenntnisse und Wissen über die derzeit ablaufenden gesellschaftlichen Veränderungsprozesse. Es ist daher nicht verwunderlich, dass Wissenspolitik, ähnlich wie einst Umweltpolitik, keine unmittelbare "Erfindung" etablierter Parteien ist, sondern von Außen, von "Fachleuten" und von Institutionen, die sich mit Fragen gesellschaftlicher Zukunftsgestaltung befassen, in die Politik hineingetragen wird.

Die hier vorgelegte "Wissenspolitische Agenda 2005" des Zukunfts-Zentrums Barsinghausen ist ein Versuch, das Thema "Wissenspolitik" ins gesellschaftliche Bewusstsein hineinzutragen und Möglichkeiten wissenspolitischen Handelns zur Diskussion zu stellen. Durch das in die "Wissenspolitische Agenda 2005" aufgenommene wissenspolitische Handlungsprogramm "Evolutionäres Wissensmanagement", will das ZZB zugleich exemplarisch darstellen, wie wissenspolitisch motivierte Fachbeiträge aussehen können.

Die hier vorgelegte "Wissenspolitische Agenda 2005" ist bewusst Entwurf und soll dies auch auf absehbare Zeit bleiben. Sie ist kein fertiges Programm, sondern sie soll Impulse für die Formulierung tragfähiger und konsensfähiger wissenschaftlicher Programme geben und Möglichkeiten wissenspolitischen Handelns aufzeigen.

Vorgeschichte

Das Zukunfts-Zentrum Barsinghausen ist einst mit der Frage nach den ökologischen Zukunftsperspektiven unserer Gesellschaft gestartet. Es hat dabei durch seine Arbeit für konkrete wissensbasierte Handlungs- und Themenfelder realisierbare gesellschaftliche Modernisierungs- und Reformpotenziale aufgezeigt. Es gilt insbesondere für

  • den Umgang mit der Umweltverträglichkeitsprüfung

  • die Verbreitung und die Verwissenschaftlichung des Ökologischen Landbaus

  • die Nutzung Computergestützter Assistenz-Systeme als Instrumente des Wissensbasierten Handlungsmanagements

  • die Fortentwicklung von Umweltpolitik zur Umweltpolitik der 2. Generation

  • die wissenschaftliche Durchdringung des Biomanagements mit Transmaterialen Katalysatoren

  • die Erweiterung des materialistischen naturwissenschaftlichen Paradigmas zum Paradigma einer Nachmaterialistischen Naturwissenschaft.

Im Verlauf der Jahre hat das ZZB mit diesen und anderen Themen viel Erfahrung bezüglich des Umganges mit neuem Wissen und seiner Vermittlung in Richtung Wissensanwender gesammelt. In diesem Prozess hat sich die Erkenntnis zunehmend verdichtet, dass Zukunftsgestaltung nicht mehr allein auf den eingespielten Wegen stattfinden kann, sondern, dass gerade im Umgang mit Wissen, Lern- und Veränderungsprozesse angesagt sind. Wissenspolitik soll sie begleiten und fördern.

Seit Mitte der 80er Jahre hat sich in unserer Gesellschaft und in der Welt viel verändert. Antworten, die wir damals gesucht und zum Teil gefunden haben, sind zwar auch aus heutiger Sicht nicht falsch, sie erscheinen uns jedoch mittlerweile in einem neuen Licht und werden durch viele neu gewonnene Erkenntnisse ergänzt, verändert und re-orientiert.

In den dadurch ausgelösten Lernprozess hat sich das zentrale Anliegen des Zukunfts-Zentrums sichtbar gewandelt. Damals fragten wir nach sinnvollen ökologischen Handlungsperspektiven, um Umweltprobleme zügig und konkret zu lösen. Dabei stand allerdings von Anfang an nicht nur kurzfristige sondern vor allem mittelfristig und langfristig angelegtes Handeln im Zentrum unserer Überlegungen und Forschungsaktivitäten.

Bereits in der ersten Hälfte der 80er Jahren deutete sich, wenn auch zunächst nur nebelhaft an, was inzwischen für uns Gewissheit ist:

Unsere Gesellschaft hat verlockende ökologische Zukunftsperspektiven.

Sie wird diese allerdings nur entfalten und gestalten können, wenn sie grundlegend neue Formen des Umganges mit Wissen entwickelt, praktiziert und institutionalisiert.

Solch ein neuer zukunftsgerichteter Umgang mit Wissen ist möglich - dafür gibt es viele Hinweise. In Bezug auf ihn wurden den zurückliegenden zwei Jahrzehnten in unserer Gesellschaft viele Vorbereitungsarbeiten geleistet und erste beeindruckende Erfahrungen gesammelt.

Kurzum - ein neuer zukunftsangemessener Umgang mit Wissen verbreitet sich zaghaft in immer mehr Nischen unserer Gesellschaft, aber erist bislang noch von keiner politischen Partei als gesellschaftliches Leitbild formuliert worden oder gar Teil des alltäglichen Handelns der etablierten Institutionen.

Wissenspolitik soll die Herausbildung von neuen Umgangsformen mit Wissen fördern und vorantreiben. Sie soll dies, wie alle Politik tun, d.h. auf den Ebenen der Programmbildung und des Kampfes um Machtanteile für die Durchsetzung ihrer Ziele.

Natürlich kann eine kleine Institution, wie das Zukunfts-Zentrum Barsinghausen, weder ein neues Politikfeld ins Leben rufen, noch gesellschaftliche Lernprozesse größeren Stils auslösen - und dennoch kann es einen Impuls gebenden Beitrag dazu leisten. Nicht mehr und nicht weniger wird mit der hier vorgelegten "Wissenspolitischen Agenda 2005" angestrebt.

Potenzielle wissenspolitische Wirkungsfelder

Ein angemessener zukunftsorientierter Umgang mit Wissen ist heute unzweifelhaft eine notwendige Voraussetzung, um die unsere Gesellschaft und die Welt nach wie vor bedrängenden Umweltprobleme erfolgversprechend angehen sowie bisheriges umweltbezogenes Handeln modernisieren und reformieren zu können.

Das gleiche gilt allerdings auch für viele weitere, zum Teil sehr unterschiedliche, gesellschaftliche Sektoren, wie z.B. das Gesundheitssystem, die Landwirtschaft, das Ernährungsgewerbe, das Bildungssystem, die technologiepolitik oder den Verwaltungsapparat.

Wissenspolitik kann und soll in diesen und vielen anderen gesellschaftlichen Bereichen den Umgang mit Wissen reformieren und neu orientieren.

Folgt sie dabei den Leitideen der Aufklärung, Humanität und Emanzipation, so kann sie unserer Gesellschaft viele wünschenswerte Entwicklungsperspektiven-Perspektiven eröffnen und einen aktiven, zukunftsorientierten Beitrag zu dem so oder so unumgänglichen gesellschaftlichen Wandel leisten.

Die "Wissenspolitische Agenda 2005"

Das Zukunfts-Zentrum Barsinghausen (ZZB) setzt sich für eine möglichst baldige Etablierung und Institutionalisierung von Wissenspolitik ein. Um seinen Standpunkt sichtbar werden zu lassen und seine wissenspolitische Grundhaltung zu bekräftigen, legt es ein wissenspolitisches Konzept vor. Es wird als "Wissenspolitische Agenda 2005 bezeichnet.

Die "Wissenspolitische Agenda 2005" trägt diesen Namen, da Wissenspolitik dringend auf die politische Agenda des Jahres 2005 gehört, denn in diesem Jahr werden - so oder so - Weichen für die Entwicklung Deutschlands gestellt.

Sie besteht aus folgenden vier Komponenten:

  • dem vorliegenden Orientierungstext,
    Er führt in das wissenspolitische Konzept des ZZB ein

  • den im Papier "Wissenspolitische Leitbild-Argumente" niedergelegten Grundsätzen
    Es umreißt in zwölf Orientierungs- und Leitbildargumenten die vom ZZB vertretene wissenspolitische Grundposition.

  • der Denkschrift "Wissenspolitik - den Übergang in die Wissensgesellschaft zielstrebig, aufgeklärt und human gestalten"
    Sie beinhaltet das Konzept einer zukunftsorientierten Wissenspolitik sowie programmatische Begründung für die Anregung des Zukunfts-Zentrums Barsinghausen Wissenspolitik zu etablieren.
    dem "Wissenspolitischen Aktionsprogramm 2005" des ZZB. In ihm werden, seitens des Zukunfts-Zentrums Barsinghausen bereits vorbereitete, wissenspolitische Aktivitäten exemplarisch vorgestellt, die das ZZB entweder bereits durchführt oder die es gern in absehbarer Zeit in Angriff nehmen möchte.

Evolutionäres Wissensmanagement im Sinne des ZZB ist ein "umfassendes" Konzept des Wissensmanagements, das nach Konzepten und Strategien des Gestaltenden Wissensmanagements arbeitet, aber darüber hinaus die gesellschaftliche Vermittlung gesellschaftlicher Erkenntnisse anstrebt sowie Kommunikations- und Lernprozesse zwischen Wissensarbeitern fördern und gestalten will. Evolutionäres Wissensmanagement ist somit Wissensmanagement, außerhalb des Elfenbeinturms, das sich gestaltend und zielstrebig an den jeweils aktuellen gesellschaftlichen Wandlungsprozessen mitwirkt.

Zielsetzung des ZZB

Das Zukunfts-Zentrum Barsinghausen will sich auf der Basis seiner bisherigen Arbeiten an der Herausbildung von Wissenspolitik aktiv beteiligen. Die als erste Entwurfsfassung vorgelegte "Wissenspolitische Agenda 2005" bietet dafür die Plattform und den argumentativen Rahmen.

Durch die Vorlage der "Wissenspolitischen Agenda 2005" verfolgt das Zukunfts-Zentrum Barsinghausen vier Ziele. Es will

  • vorschlagen, das Thema "Wissenspolitik" zügig auf die gesellschaftliche Agenda zu setzen, und damit

    • eindringlich auf die weichenstellende Bedeutung hinweisen, die dem angemessenen Umganges mit Wissen für die Gestaltung unserer gesellschaftlichen Zukunft zukommt.

    • darauf aufmerksam machen, dass die Modernisierung und Reform der Umgang mit Wissen derzeit eine zentrale Herausforderung für unsere gesellschaftliche Elite ist. Die betrifft insbesondere Entscheidungsträger

  • in Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung,

  • Politiker,

  • die "Macher" der öffentlichen Medien,

  • Lehrer, Dozenten und Professoren sowie

  • generell alle Wissensarbeiter (also die Menschen, die alltäglich professionell mit Wissen umgehen).

  • aufgrund seiner Erfahrungen und mit seinen fachlichen Möglichkeiten an der Formulierung der wissenspolitischen Programmatik mitwirken.

  • durch sein wissenspolitisches Handlungsprogramm "Evolutionäres Wissensmanagement" einen sachbezogenen Beitrag zur Gestaltung des gesellschaftlichen Umganges mit Wissen leisten.

  • seinen zweiten Entwicklungszyklus, in dem es vor allem die Rolle einer Impuls-Werkstatt für "Evolutionäres Wissensmanagement" wahrnehmen will, einleiten und um Unterstützung dafür werben.